Litigation PR: Das Gesetz der öffentlichen Meinung

social media litigation klein Erst letzte Woche hat uns der Fall Trayvon Martin bildhaft vor Augen geführt, welchen Stellenwert die öffentliche Meinung bei Gerichtsverfahren hat und wie sehr Social Media als Katalysator der Meinungsbildung wirkt. Unpopuläre Urteile können jederzeit eine breite Debatte lostreten. Produktbewertungen, reputationsbezogene Aussagen über Personen oder Unternehmen, politische Debatten - öffentliche Meinungsäußerung und Meinungsbildung sind die inhaltlichen Grundfesten des Social Web. Weniger wahrgenommen wurde bisher, dass auch über die Protagonisten von rechtlichen Auseinandersetzungen im Social Web ausgiebig diskutiert wird; und viele dieser Aussagen bleiben langfristig in (Zeitungs-)foren, Blogs, Twitter und auf anderen Plattformen manifestiert.

Whitepaper Litigation PR

Wer das Thema Litigiation PR vertiefen möchte, dem dürfen wir dieses kleines Exposé ans Herz legen: "Whitepaper LitigationPR - Management von Kommunikation bei rechtlichen Auseinandersetzungen" von unseren Kollegen von Ecker & Partner. Darin enthalten: Interviews und Kommentare zum Thema Litigation von Hofrat Dr. Werner Peischl (Leitender Oberstaatsanwalt in Wien), Prof. Dr. Bernhard Pörksen (Professor der Medienwissenschaft an der Universität Tübingen), Dr. Michael Walbert und Dr. Heidemarie Paulitsch von Schönherr Rechtsanwälte und nicht zuletzt: mir (Seite 20 - 22)! Für alle, die sich einen kurzen Überblick zu Social Media & Litigation PR verschaffen wollen - here we go.

Google, die Eingabezeile fürs kollektive Gedächtnis

Ob Privatpersonen, Human Ressources Manager oder die Medien: der erste Background-Check zu einer Person erfolgt im Web. So kann es plötzlich passieren, dass ein einzelner, von Laien erstellter und editierter Artikel auf Wikipedia vielleicht zur wichtigsten Quelle der weltweiten Medienberichterstattung wird - wie im Mordfall Meredith Kercher. Dementsprechend heiß umkämpft auch die Deutungshoheit auf solchen Plattformen. Meinungsbildung findet also immer mehr und für alle nachlesbar im (Social) Web statt, und somit führt für die Litigation kein Weg an der digitalen Welt vorbei. Diagramm_Litigation PR Digital Affairs 600px (Grafik/PDF) bzw. Vollständige Größe anzeigen Denn da die öffentliche Meinung Einfluss auf Gerichtsurteile hat, ist es Aufgabe der Litigation PR, über die öffentliche Meinung im Social Web informiert zu sein. Ein regelmäßiges Webmonitoring sollte in jedem Fall Teil des Maßnahmenplans sein. → Was wird über meinen Mandanten im Web gesprochen? → Wer spricht über meinen Mandanten, wo und in welcher Weise? Wer steht meinem Mandanten neutral bis positiv gegenüber? → Welche Kommentare auf welchen Plattformen passen in die Litigation PR Strategie und sollen beantwortet werden?

"Über laufende Verfahren wird nicht gesprochen." Von wegen.

Die Meinungsbildung im Web erfolgt über die Lektüre von Medienberichterstattung auf Online-Plattformen, über das Nachlesen von Webdiskussionen auf Twitter, Facebook und in Foren oder Blogs. Hier sind Perspektiven, Interpretationen oder auch Vermutungen anderer vertreten und an dieser Stelle sollte auch die Perspektive des Mandanten eingebracht werden. Denn es ist eine weitere Aufgabe der Litigation PR, die Reputation des Mandanten zu schützen, und zwar vor, während und nach eines rechtlichen Disputs oder eines Verfahrens. Dafür sollte eine konsistente, verständliche und faktenbasierte Story entwickelt werden, die über alle Kanäle kommuniziert wird. Dies hat übrigens in enger Abstimmung mit den Anwälten zu passieren, Stichwort: Verteidigungsstrategie. Sollte es nicht gelingen, User online zum Engagement zu bewegen, wird es weder gelingen, eine relevante Online-Erhebung zur öffentlichen Meinung zu erstellen, noch in einem (web)öffentlichen Diskurs die Position des Mandanten zu vertreten. Eine rege Online-Debatte ist daher als positiv anzusehen!

Bonus des Social Web

In den klassischen Medien ist Platz und sind redaktionelle Ressourcen knapp. Die Komplexität von Prozessen oder auch Themen wird daher oft stark reduziert wiedergegeben, was zu Spekulationen, Vermutungen oder sogar zu Verschwörungstheorien führt. Im Web sollte die Litigation PR eigene und fremde Kanäle also auch für Erklärungen eben dieser komplexen Themen nutzen. → Die Möglichkeit zur Erklärung von komplexen (rechtlichen) Prozessen im Social Web nützen. Dos Dem Mandanten ist vor allem dann geholfen, wenn er mit seiner Perspektive und seinen Argumenten Gehör findet. Dies erreicht man im Social Web am besten mit: → Transparenz → Ehrlichkeit → Klarer Absender der Botschaften Dont's Aufgrund der kritischen Materie der Litigation PR sind alle aktiven Maßnahmen mit größter Vorsicht einzusetzen. Der schlimmste Imageschaden entsteht durch eine aufgedeckte Lüge oder Halbwahrheit. Bei scheinheiligen Narrativen dreht sich die selbstgebildete Öffentlichkeit schnell gegen den Kommunikator. → Anonyme Postings mit der Absicht, zu manipulieren, zb. auf Wikipedia → Halbwahrheiten, Verschweigen von Tatsachen... Die Litigation PR ist eine Subkategorie der Krisen PR. Und eine Regel kennen wir ja bereits aus der Krisen PR: "Jede Krise verläuft anders". Dementsprechend sind diese Maßnahmen auch nicht in Stein gemeißelt!

Leave a Reply

Back to Top