Wo sind die ganzen Aktivisten hin? Es scheint als hätten Diese sich von der Straße ins Wohnzimmer verlegt. Sind sie müde geworden? Oder dem Sitzfleisch der Politiker gar überdrüssig?

Die wahren Rebellen und Weltverbesserer sitzen zu Hause vor dem Macbook und retten die Welt per Mausklick. So richtig Web 2.0 eben. Bequem, ungefährlich und leider sehr ineffektiv. Denn was bewirkt man außer im besten Fall die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Thema zu lenken? Sehr wenig. Wer das Kony 2012 Video gesehen hat der weiß Bescheid. Wer die Kritik-Videos zu Kony 2012 gesehen hat der versteht. Mit diesem Thema hat sich auch Jakob Steinschaden intensiv befasst.  Nachzulesen auf seinem Blog digitalsirocco. Was unterstützt man genau wenn man auf den Like – Button klickt? Eine Social Media PR Kampagne oder gibt es etwa ein reales Anliegen hinter der virtuellen Maske?

 

 

Was braucht es also um ein erfolgreicher Aktivist zu sein? – Auch in sozialen Netzwerken.
Zunächst einmal braucht es ein reales Anliegen. Ein Problem. Doch damit nicht genug. Probleme hat natürlich jeder. Es muss also ein Missstand sein der eine relativ große Gruppe von Bürgern betrifft. Der Leidensdruck muss also groß genug sein.
“Gut dann bastel ich jetzt mal ein schönes Mood-Video und schicks durch’s social Web!
Juhu go Viral!!” – Falsch

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Aufmerksamkeit ja, aber bitte ordentlich. Es braucht reale Aktionen um virtuellen Aktivismus erst greifbar zu machen.

Wie das richtig geht zeigen die Grassroots Aktivisten von “Amici delle SVA”. Die Bürgerinitiative rund um den Kabarettist Werner Brix gibt es seit Mai 2011. Angefangen hat alles mit der Aktion “Mein letztes Hemd hat die SVA” bei der Brix einen Flashmob in der SVA-Zentale organiserte.
Erst durch diese Aktion gründete sich die Facebook Gruppe “Amici delle SVA”. Mittlerweile hat die Gruppe über 5500 Mitglieder und dient als Organisationszentrale.

Wir haben Werner Brix zu diesem Thema befragt:
Digital Affairs: Hr. Brix, wie kam es zur Gründung der Grassroots Bewegung “Amici delle SVA”

Werner Brix: Naja, zum einen weil ich natürlich als Kabaretteist, als Alleinunternehmer direkt betroffen bin. Zum anderen hab ich natürlich mitbekommen dass es vielen meiner KollegInnen genau so geht wie mir. Ich bin unzufrieden über die SVA Abgaben. Als ich merkte dass es viele betrifft, also ein allgemeines Problem ist, habe ich etwas unternommen. Der Flashmob in der SVA war unsere erste Aktion. Sie hat auch eine relativ hohe Medienresonanz gehabt, was natürlich geholfen hat. Kurz darauf wurde die Facebook Gruppe gegründet.

Digital Affairs: Ohne Medien geht’s also nicht?

Werner Brix: Das Medieninteresse ist sehr wichtig. Es reicht nicht, nur Passanten mit kreativen Ideen anzusprechen. Wenn die Medien aufspringen ist der Effekt natürlich gleich viel höher. Durch Sie erreicht man viel mehr Menschen.

Digital Affairs: Welche Aktion hat ihrer Meinung nach am meisten Bewirkt?

Werner Brix: Das war zum einen natürlich die erste Aktion, der Flashmob in der SVA. Da kamen wir auch gleich ins Gespräch mit Dr. Christoph Leitl. Diese Aktion war also sehr erfolgreich. Die Aktion die für die meiste Aufregung war sicherlich die Triple A Aktion vor dem Parlament, obwohl ich da fast alleine war.

Digital Affairs: Wie wichtig ist die Facebook Gruppe und wofür wird sie eigentlich genutzt?

Werner Brix: Die Facebook Gruppe wird eigentlich nur als Organisations und Kommunikationsinstrument genutzt. Deshalb haben wir auch eine Gruppe und keine Page. Der harte Kern der Amici delle SVA organisiert sich auch noch separat in einer zweiten geschlossenen Gruppe. Die Hauptgruppe ist insofern wichtig, als dass dort Betroffene Hilfe finden und Dampf ablassen können. Mit den Aktionen bewegen wir uns raus und machen in der Öffentlichkeit auf diese Schieflage aufmerksam. Gleichzeitig zeigen wir so, dass wir ein reales Anliegen haben und dass wir uns als Gesprächspartner anbieten. Es wäre schön in den Dialog mit den Entscheidungsträger treten zu können. Dafür reicht es eben nicht seinen Unmut auf Facebook luft zu machen. Man muss sich hinstellen und sich zum Dialog anbieten. Damit hatten wir bisher auch Erfolg. Jetzt ist es wichtig Sympathie für unser Anliegen zu wecken damit ein sachlicher Diskurs möglich wird. Es ist wichtig die Entscheidungsträger für eine Vorreiterrolle zu motivieren!

Digital Affairs: Wie wichtig sind Sie selbst für die Bürgerinitiative?

Werner Brix: Wichtig, naja wenn dann überhaupt weil ich durch meinen Job schon in den Medien präsent war und bin. Das färbt natürlich auf die Initiative ab.

Fassen wir also zusammen, wie sieht unser Baukausten für eine erfolgreiche Grassroots Bewegung aus:

1. Es braucht ein reales Anliegen.
2. Der Leidensdruck muss groß genug sein.
3. Für Aufmerksamkeit reicht eine virtuelle Präsenz nicht, man braucht die Unterstützung der Medien.
4. Mit kreativen Aktionen generiert man Aufmerksamkeit und gewinnt die Medien.
5. Man muss Verbündete suchen und sich zum Dialog anbieten.
6. Gemeinsam durch Dialog und Diskurs Änderungen bewirken.

Will man wirklich etwas verändern, so reichen ein paar Klicks nicht. Um real etwas zu bewirken muss man einen Schritt weiter gehen, auf den Missstand aufmerksam machen und aktiv den Veränderungsprozess vorantreiben. Aktivismus ist eben kein Selbstläufer, sondern harte Arbeit. Ein Bild auf Facebook welches 3000 likes bekommt ist schnell vergessen, die Amici delle SVA ist gekommen um zu bleiben.

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