Proximity Based Social Networks: Just another drop in the ocean?

Proximity Based Social Networks, also soziale Netzwerke die auf der räumlichen Nähe der User aufbauen, werden immer wieder als der nächste Schritt hin zu einer noch näheren Beziehung der User untereinander gehandelt. Trotzdem haben sie es noch nicht wirklich geschafft den Fuß in die Tür der Mainstream Social Networks zu bekommen. Doch woran liegt's? Ist es ein Imageproblem, fehlt der Mehrwert oder die Werbeflächen?

Ein großer Vorteil der Proximity Based Social Networks (PBSN) scheint ihr Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Social Media Kapazunder Facebook zu sein: Auf Facebook verbinden sich Personen die sich schon auf eine gewisse Art und Weise kennen, während PBSN darauf abzielen, Neues zu entdecken. Dieses Entdecken geschieht in der Regel anhand von Gemeinsamkeiten in Interessen, Freunden, Wünschen und basiert natürlich auch darauf, wo man sich gerade befindet. Grundsätzlich also App auf, schauen was oder wer sich so in der Gegend befindet, was man gemeinsam hat und dann eine Aktion setzen. So viel dazu. Wir haben uns gedacht, wir schauen uns eines dieser PBSN mal näher an:

Sind wir Badoo miteinander?

Badoo ist ein Kennenlern-Netzwerk, das 2006 von Andrey Andreev gegründet wurde und mittlerweile lt. Badoo Website an die 150 Millionen User haben dürfte. Badoo ist vor allem in Südamerika und Europa beliebt, scheint aber mit einem Schmuddelimage zu kämpfen (die Vereinigten Arabischen Emirate und der Iran blockieren den Service sogar). Beinahe in jeder Aussendung wird betont, Badoo sei mehr als eine Flirt und Aufreißzone und würde nicht nur hauptsächlich von Teenagern benutzt. Darüber hinaus ist interessant, dass Badoo bereits nach kürzester Zeit profitabel war, was ja für junge Social Media Plattformen nicht unbedingt die Regel darstellt. So weit so gut, dies wollten wir, selbstverständlich "˜in the name of science', überprüfen und haben Badoo mal versucht. Das Setup von Badoo ist denkbar einfach: Profil erstellen, Foto(s) hochladen, Interessen definieren, noch ein Statusupdate schreiben was man heute machen möchte und es kann los gehen. Die Grundfeatures von Badoo sind ein Scan der (unmittelbaren) Umgebung, der andere Badoo UserInnen anzeigt die in die vorher definierte Interessensbandbreite fallen. Deren Profile können besucht werden, danach kann man gleich beginnen zu chatten. Besucht man ein anderes Profil bekommt der User eine Benachrichtigung über den Besuch, ähnlich wie bei XING. Auffallend ist, dass bestimmte Funktionalitäten wie die Möglichkeit alle Fotos oder Interessen anderer User anzusehen teilweise Premium Features darstellen. Diese werden entweder über bestimmte Aktionen wie z.B. das Einladen von 30 FreundInnen zu Badoo oder durch weitere Vervollständigung des eigenen Profils bzw. durch Super Powers, die gekauft werden können, freigeschaltet. Die Schwelle Badoo immer intensiver zu verwenden ist also recht niedrig, hier ist wohl einiges an Gamification Hirnschmalz investiert worden. Ein weiteres Key-Feature ist das "Volltreffer" Spiel: Hier werden Erinnerungen an die Unterstufe wach. Man kann Profile anderer User ansehen und diese mit JA/NEIN/VIELLEICHT quittieren. Bei gegenseitigem JA oder zumindest VIELLEICHT hat man einen Volltreffer erzielt und wird aufgefordert, die andere Person anzuchatten.

Hier unsere Erfahrungen:

Versuch A oder "Camp Creepout" "Nachdem wir ein Badoo Profil erstellt hatte, ging es relativ schnell mit einigen Besuchen auf dem Profil los. Wir scannten unterdessen die Umgebung und wunderten uns, wie viele User sich auf Badoo befanden. Besonders auffallend war, dass sehr viele Männer, meist mittleren bis gehobenen Alters sich auf unserem Profil herumtrieben. Der Höhepunkt war wohl, als ein 67 jähriger Herr uns bescheinigte "ein geiler Typ" zu sein. Es folgten Besuche von anderen Usern die zusammengefasst mehr oder weniger "creepy" waren. Vom unerwartet steilen Aufstieg unserer Badoo-Karriere beflügelt beschlossen wir auch aktiv zu werden und versuchten andere User für einen Chat zu gewinnen:   Der erste Versuch war eine Frau, die ihrem Badoo Status nach zu urteilen "jemanden zum philosophieren suchte". Unseren Beitrag zur philosophischen Debatte konnten wir aber leider nicht anbringen, da unser Profil nicht in die angegebene gesuchte Altersgruppe der Userin passte. Badoo vermeldete, dies könne  mit Super-Powers umgangen werden, da uns selbige aber fehlten, wurde leider nichts daraus.             Nachdem wir ein bisschen "Volltreffer" gespielt hatten und im Verlauf des Spiels ein gegenseitiges VIELLEICHT verbuchen konnten, starteten wir den nächsten Anlauf in Richtung proaktives Chatten. Da unser Badoo Erlebnis immer mehr in Richtung sonderbar abzurutschen schien (der 67 jährige Fan hatte unser Profil in der Zwischenzeit noch zwei Mal besucht) versuchten wir, diesen Umstand bei unserem "Volltreffer" zu thematisieren. Eine Antwort blieb aber leider aus.           Als wir am nächsten Tag unsere Badoo Karriere beenden wollten, flehte uns Badoo förmlich an, es uns noch mal zu überlegen und bot als kleinen Bonus drei Tage gratis Superpowers an, die wir auch kurz nutzten, die aber den sprichwörtlichen Braten auch nicht fett machten. Interessant war auch, dass Badoo einen "˜Freeze' und eine Art "˜Reset' Knopf besitzt: Wer sein Profil einfriert wird nach Angaben von Badoo nicht mehr auf Badoo oder Google mit seinem Profil gefunden, das Profil besteht aber weiterhin. Wem es auf Badoo zu viel geworden ist, kann auch radikal aufräumen und alle Mitteilungen, Favoriten, Volltreffer usw. von seinem Profil löschen und so frisch durchstarten. Trotz dieser, zugegebenermaßen kreativen, Optionen den Account doch noch zu retten beschlossen wir doch auf den "˜Profil löschen' Button zu klicken und fühlten uns daraufhin etwas wohler in unserer Haut."   Versuch B oder "Als Frau wird es einem schnell zu viel!" Eigenlob stinkt zwar aber wer sich als nicht unattraktive Frau auf Badoo anmeldet und sein Profil mit einem schönen Bild von sich verziert, dem wird garantiert nicht langweilig. Schon nach kurzer Zeit hatte unser Profil 407 Views und wir chatteten simultan mit zehn verschiedenen Interessenten. Dank Multitasking, wofür wir Frauen ja bekannt sind, war das auch überhaupt kein Problem. Bei Badoo hat die Frau die Qual der Wahl. Plumpe Anmachen sind zwar an der Tagesordnung, gehören jedoch glücklicherweise zur Ausnahme. Auch wenn ernsthaftes und unterhaltsames Chatten durchaus möglich ist, so merkt man schnell wohin besagter Hase läuft. Es wird schnell klar, dass die Unterhaltung auf ein Treffen abzielt. Oft ist, nachdem man sagt man hat heute keine Zeit, das Gespräch beendet. Verglichen mit den Erfahrungen eines männlichen Users zeigt sich hier also ein gänzlich anderes Bild.    

                 

Und der Rest der Proximity Based Social Networks?

Selbstverständlich ist Badoo nicht der einzige Vertreter der PBSN. Den proklamierten Userzahlen nach beurteilt steht es aber scheinbar alleine da. Es gibt eine Vielzahl kleinerer Services, wie z.B. Mingle, das kürzlich von Facebook akquirierte Glancee oder Highlight, die aber nicht die kritische Masse an UserInnen erreichen (dürften). Durchwegs können diese Services mit weniger als 10.000 mit Facebook verbundenen UserInnen aufwarten. Wohin soll also die Reise für PBSN gehen? Die Anwort liegt, angesichts des Trends der letzten Zeit dass etablierte große Social Networks kleine Startups in Bausch und Bogen, offensichtlich vor allem wegen der findigen Leute in den Entwicklerteams aufkaufen, auf der Hand: Als Feature und nicht als eigenes Service.

Fazit

Badoo scheint eine Ausnahmeerscheinung im Bereich der Proximity Based Social Networks oder auch Social Discovery Apps zu sein, hat aber einen spammig-schmuddeligen Beigeschmack. Der Rest der Services sind im Moment eher als "˜drops in the ocean' des übervollen Angebots an Social Media Services zu sehen und werden wohl früher oder später in den bestehenden Networks aufgehen.

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