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QR-Codes: A (never)ending Story? – Noch ein Gastbeitrag

Im Rahmen unserer QR-Code-Aktionswochen haben wir Christian Adelsberger von der evolaris Next Level GmbH um seine Einschätzung zum Thema gebeten.

Ich habe QR-Codes zum ersten Mal im Jahr 2002 für mich entdeckt. Damals waren sie in Kombination mit etwas unförmigen Lesegeräten die große Hoffnung im Event und Ticketing-Bereich. Damals ging es hauptsächlich um die Frage, wie die Codes auf Mobiltelefone gesandt werden können und welche technischen Unwägbarkeiten den Durchbruch verhindern. Von der umgekehrten Nutzung war damals noch nicht die Rede. Kameras gab es in Mobiltelefonen erst in ein paar Prototypen und waren eher für einen engen Anwenderkreis vorgesehen.
Vor 3 Jahren waren die ersten QR-Codes in den österreichischen Medien zu sehen, auch auf dem einen oder anderen Plakat und auch in dem einen oder anderen Digital-Arts Projekt. Der große Durchbruch, so wurde einem gesagt, werde dann stattfinden, wenn jedes Mobiltelefon eine Kamera habe, die Reader Applikation vorinstalliert sei (was nur mehr eine Frage der Zeit ist) und die Datentarife nicht mehr jegliche Lust am Ausprobieren von neuen mobilen Diensten ersticken würde.

Endlich da

Heute haben wir in Österreich eine Durchdringung von Smartphones von über 55% . Die Installation der Reader Software braucht dank App-Stores auch nicht mehr eine mehrzeilige Beschreibung, bei der normalerweise bei Schritt 3 das spontane Interesse am Content erloschen ist. Die Voraussetzungen für den großen Durchbruch scheinen also gegeben: Flat-fee für Datentarife, und trotzdem ist keine große Revolution zu sehen. Abgesehen davon, dass angekündigte Revolutionen selten stattfinden, ist der QR Code langsam ein Teil unserer Medienwelt geworden. Und heute gibt es wohl kaum ein Magazin, das nicht mit in eine Werbung integrierten QR Code aufwarten kann. Blättert man in einem Automagazin, kann man sogar noch mehr QR-Codes entdecken, die Verbreitung scheint interessanterweise sehr von der Branche geprägt zu sein.

Doch der Mehrwert bleibt beschränkt

Hörte man eine Agentur über die Notwendigkeit eines QR-Codes im Sujet sprechen war meistens ein „gesteigerte Aufmerksamkeit“, „Eye Catcher“ oder „emotional aufgeladen“ zu hören. Doch der Neuigkeitswert der QR-Codes und damit das Unterscheidungsmerkmal ist geringer geworden, die Blickfänger-Funktion ist lange nicht mehr so stark ausgeprägt. Nach den First-Movern haben inzwischen auch die Follower im Kielwasser der iPhone Revolution QR-Codes ausprobiert. Doch nicht jeder Smartphone Nutzer wird zum QR-Code Nutzer. Auch bei 55% Smartphone Penetration im Markt dürfen die anderen 45% nicht vergessen werden. Ihnen bleibt die Nutzung von QR-Codes verwehrt.

Und wird vielleicht verdrängt

Die Stärke des QR-Codes liegt letztendlich in einem einzigen Aspekt: Convenience. Alle Use-Cases, die diesen Aspekt in den Mittelpunkt des Dienstes stellen, erwiesen sich als mittelfristig erfolgreich. Die Bezeichnung „User Friendly URL“ bringt den Hauptanwendungsfall auf den Punkt. Doch für viele Anwendungsfälle sind andere Mechanismen wesentlich besser geeignet. RFID/NFC ermöglicht die Übertragung einer höheren Datenmenge und erspart den manchmal langwierigen Lesemechanismus. Objekterkennung ersetzt jetzt schon vor allem in Augmented Reality Anwendungsfällen die Rolle als Marker.
Unzählige Beispiele für den missglückten Einsatz von QR Codes lassen sich im Web finden. Da werden City-Lights in Ubahn-Zugängen ohne Netzabdeckung eingesetzt, die verwendete Farbe für den QR-Code macht ihn unlesbar oder der codierte Link ist nicht für mobile Endgerät optimiert und somit nicht lesbar. Die Nutzung von QR-Codes birgt auch Fallen, die eine saubere Umsetzung notwendig machen, um die Anwender nicht mit einer Enttäuschung zu konfrontieren.
QR-Codes haben ihre Rolle gefunden: Sie sind die Brücke zwischen der (gedruckten) physischen und der digitalen Welt und machen es dem Konsumenten einfacher, Dienste zu nutzen. Die Verwendung vor allem im Marketing wird weiter wachsen und als Brückentechnologie in den richtigen Nutzungsszenarien ist es ein effektives Mittel. Gleichzeitig macht der QR-Code immer nur einen kleinen Teil einer Gesamtlösung – und somit der User-Experience – aus. Ohne ein überzeugendes Gesamtkonzept bleibt er ein nettes Gimmick.

Christian Adelsberger leitet den Bereich Business Development und die Forschungsarea „Mobilisierung von Prozessen“  beim COMET Kompetenzzentrum für interaktive Medien evolaris.

2 Comments

  1. Maik @ Fluidmedia -  16. Februar 2012 - 15:12

    QR-Codes sind allenfalls eine Brückentechnologie. In meinem letzten Blogbeitrag beschäftigte ich mich mit dem Thema QR-Code Alternativen. QR-Codes sind kryptisch und entsprechen eher der Maschinenwelt. Intelligentere und leistungsfähigere Smartphones ermöglichen in Zukunft mobile visual search (MVS). Dies wird in nicht ferner Zukunft den QR-Code evtl. verdrängen.

  2. Wini -  13. Februar 2012 - 15:19

    Also ich finde QR Codes einfach nur unnötig und meiner Meinung nach sind diese bereits altmodisch bevor sie überhaupt in Mode gekommen sind. Ich erkenne keinerlei Vorteile gegenüber der normalen URL. Die Zeit bis ich den Scanner aufgerufen habe, still gehalten habe und bis der Code erkannt wurde ist ca. die gleiche Zeit die benötigt wird um eine URL einzutippen.
    Einziges Medium bei denen QR Codes meiner Meinung nach Sinn machen sind Visitenkarten. Hier spart man wirklich Zeit!

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