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Facebook – Alles neu macht der September

Wir sind es ja gewohnt, an dieser Stelle über Neuerungen bei Facebook zu schreiben. Manchmal fallen sie kleiner aus, manchmal größer. Gegen die vor einigen Tagen bei der Entwicklerkonferenz f8 vorgestellten Änderungen verblasst allerdings alles andere, das hier jemals gestanden hat. Um es großspurig auszudrücken, Facebook hat sich neu erfunden.

Facebook Timeline

Das Facebookprofil bekommt ein neues Aussehen. Derzeit noch in einer nicht ganz fehlerfreien Entwicklerversion zu haben, wird ab Anfang Oktober allen 800 Millionen Usern die “Timeline” Version ihres Profils angeboten. Vom Design her völlig neu, ist hier der Hintergedanke sein gesamtes Leben auf Facebook auszubreiten. Die bereits geposteten Einträge sind über eine einfache Navigation zu finden, Milestones wie Abschlüsse an der Uni, Knochenbrüche, aber auch der Tod eines Freundes oder Familienmitglieds können eingetragen werden. Aussehen wird das ganze dann so:

 

Neuer Open Graph

Zweites großes Feature: Facebook will in Zukunft alles über den Konsum seiner Mitglieder wissen. Durch die Erweiterung des Open Graph und die Zusammenarbeit mit diversen Unternehmen, Applikationen und Seiten werden gelesene Artikel, gehörte Musik oder gesehene Videos im Ticker der Freunde angezeigt, Musik kann auch direkt in Facebook gehört werden, das Verlassen der Seite ist dazu also nicht mehr nötig. Auch ganz spezielle Aktivitäten wie beispielsweise das Essen eines Sandwiches können automatisiert über eine Applikation deinen Freunden mitgeteilt werden.

Und jetzt?
Was bedeuten diese Änderungen für die User, was für auf Facebook präsente Unternehmen? Zuerst einmal etwas zu den Usern: diese werden mit der neuen Version von Facebook noch viel mehr Möglichkeiten haben, Informationen auf Facebook zu verbreiten. Durch das automatisierte Weiterleiten von Aktivitäten wird es wohl noch kaum eine Aktivität im (Online-)Leben der User geben, die nicht auch auf Facebook erscheinen wird. Und die neue Timeline wird es auch erlauben, Lücken im Leben der User zu füllen, die bisher noch nicht auf Facebook standen. So kann sogar die Geburt bebildert werden (falls das etwas ist, das User gerne mit all ihren Freunden teilen wollen).
Für Unternehmen bedeutet dies natürlich eine Ausweitung der Möglichkeiten auf Facebook. Applikationen bieten nun viel mehr Interaktionsmöglichkeiten, die zusätzlichen von Usern auf Facebook gestellten Daten werden eine noch viel präzisere Möglichkeit der Werbung erlauben. Ab wann diese Möglichkeiten auszuschöpfen sind, ist allerdings noch unklar. Besonders Musikservices werden, zumindest anfangs, erst für User aus den USA spielen.

 

Und täglich grüßt die Privatsphäre (oder auch nicht)
Und damit wären wir schon bei den unweigerlich auftretenden Privacy-Bedenken. So präsentiert die Timeline zwar sowieso schon veröffentlichte Statusupdates, bisher waren diese aber noch nie so einfach aus den Tiefen der Vergangenheit zurückzuholen wie mit Timeline. Natürlich hat auch Facebook hier wieder an den Privacyeinstellungen geschraubt, wie groß der Anteil der User allerdings ist, die sich damit befassen werden ist wieder mal fraglich.
Auch die als “frictionless sharing” verkaufte Neuerung, die nach einmaligem Hinzufügen einer Applikation automatische Updates postet, ist in der Praxis wahrscheinlich nicht ganz so reibungslos. So werden wohl viele User bei jedem Lied das sie hören, jedem Artikel den sie posten und jedem Video das sie sich ansehen, im Hinterkopf die Frage haben: will ich das eigentlich all meinen Freunden zeigen? Wer früher aktiv werden musste, um etwas zu teilen muss nach dieser Neuerung aktiv werden um etwas nicht zu posten.

 

Quo Vadis, Facebook?
Generell ist zu sagen, dass – obwohl von Mark Zuckerberg in seiner Keynote so vermittelt – Facebook das Rad nicht neu erfunden hat. Sollten die neuen Features – speziell das automatische Sharen mit seinen Freunden – allerdings erfolgreich sein und von den Usern auch tatsächlich angenommen werden, könnte sich Facebook zum one-stop-shop des Internets mausern. Schon jetzt verbringen Internetuser einen beträchtlichen Teil ihrer Online-Zeit auf Facebook, durch die neuen Kooperationen, z.B. mit Musikanbietern, müssten User Facebook so gut wie nicht mehr verlassen. Dass Facebook übrigens jetzt schon ganz gut über unser Surfverhalten Bescheid weiß, ist auch anzunehmen. Wie vor Kurzem bekannt wurde, sammelt Facebook unsere Daten nicht nur wenn wir auf den “Like” Button klicken oder eingeloggt sind, es werden auch jede Menge Cookies an Facebook versandt, wenn wir ausgeloggt sind. Derzeit ist noch unklar, inwieweit Facebook diese Daten nun wirklich auswertet, ein gutes Licht auf das sowieso schon Privatsphäre-gebeutelte Unternehmen wirft es jedenfalls nicht.

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