26
Sep.11

Facebook – Alles neu macht der September

Wir sind es ja gewohnt, an dieser Stelle über Neuerungen bei Facebook zu schreiben. Manchmal fallen sie kleiner aus, manchmal größer. Gegen die vor einigen Tagen bei der Entwicklerkonferenz f8 vorgestellten Änderungen verblasst allerdings alles andere, das hier jemals gestanden hat. Um es großspurig auszudrücken, Facebook hat sich neu erfunden.

Facebook Timeline

Das Facebookprofil bekommt ein neues Aussehen. Derzeit noch in einer nicht ganz fehlerfreien Entwicklerversion zu haben, wird ab Anfang Oktober allen 800 Millionen Usern die “Timeline” Version ihres Profils angeboten. Vom Design her völlig neu, ist hier der Hintergedanke sein gesamtes Leben auf Facebook auszubreiten. Die bereits geposteten Einträge sind über eine einfache Navigation zu finden, Milestones wie Abschlüsse an der Uni, Knochenbrüche, aber auch der Tod eines Freundes oder Familienmitglieds können eingetragen werden. Aussehen wird das ganze dann so:

 

Neuer Open Graph

Zweites großes Feature: Facebook will in Zukunft alles über den Konsum seiner Mitglieder wissen. Durch die Erweiterung des Open Graph und die Zusammenarbeit mit diversen Unternehmen, Applikationen und Seiten werden gelesene Artikel, gehörte Musik oder gesehene Videos im Ticker der Freunde angezeigt, Musik kann auch direkt in Facebook gehört werden, das Verlassen der Seite ist dazu also nicht mehr nötig. Auch ganz spezielle Aktivitäten wie beispielsweise das Essen eines Sandwiches können automatisiert über eine Applikation deinen Freunden mitgeteilt werden.

Und jetzt?
Was bedeuten diese Änderungen für die User, was für auf Facebook präsente Unternehmen? Zuerst einmal etwas zu den Usern: diese werden mit der neuen Version von Facebook noch viel mehr Möglichkeiten haben, Informationen auf Facebook zu verbreiten. Durch das automatisierte Weiterleiten von Aktivitäten wird es wohl noch kaum eine Aktivität im (Online-)Leben der User geben, die nicht auch auf Facebook erscheinen wird. Und die neue Timeline wird es auch erlauben, Lücken im Leben der User zu füllen, die bisher noch nicht auf Facebook standen. So kann sogar die Geburt bebildert werden (falls das etwas ist, das User gerne mit all ihren Freunden teilen wollen).
Für Unternehmen bedeutet dies natürlich eine Ausweitung der Möglichkeiten auf Facebook. Applikationen bieten nun viel mehr Interaktionsmöglichkeiten, die zusätzlichen von Usern auf Facebook gestellten Daten werden eine noch viel präzisere Möglichkeit der Werbung erlauben. Ab wann diese Möglichkeiten auszuschöpfen sind, ist allerdings noch unklar. Besonders Musikservices werden, zumindest anfangs, erst für User aus den USA spielen.

 

Und täglich grüßt die Privatsphäre (oder auch nicht)
Und damit wären wir schon bei den unweigerlich auftretenden Privacy-Bedenken. So präsentiert die Timeline zwar sowieso schon veröffentlichte Statusupdates, bisher waren diese aber noch nie so einfach aus den Tiefen der Vergangenheit zurückzuholen wie mit Timeline. Natürlich hat auch Facebook hier wieder an den Privacyeinstellungen geschraubt, wie groß der Anteil der User allerdings ist, die sich damit befassen werden ist wieder mal fraglich.
Auch die als “frictionless sharing” verkaufte Neuerung, die nach einmaligem Hinzufügen einer Applikation automatische Updates postet, ist in der Praxis wahrscheinlich nicht ganz so reibungslos. So werden wohl viele User bei jedem Lied das sie hören, jedem Artikel den sie posten und jedem Video das sie sich ansehen, im Hinterkopf die Frage haben: will ich das eigentlich all meinen Freunden zeigen? Wer früher aktiv werden musste, um etwas zu teilen muss nach dieser Neuerung aktiv werden um etwas nicht zu posten.

 

Quo Vadis, Facebook?
Generell ist zu sagen, dass – obwohl von Mark Zuckerberg in seiner Keynote so vermittelt - Facebook das Rad nicht neu erfunden hat. Sollten die neuen Features – speziell das automatische Sharen mit seinen Freunden – allerdings erfolgreich sein und von den Usern auch tatsächlich angenommen werden, könnte sich Facebook zum one-stop-shop des Internets mausern. Schon jetzt verbringen Internetuser einen beträchtlichen Teil ihrer Online-Zeit auf Facebook, durch die neuen Kooperationen, z.B. mit Musikanbietern, müssten User Facebook so gut wie nicht mehr verlassen. Dass Facebook übrigens jetzt schon ganz gut über unser Surfverhalten Bescheid weiß, ist auch anzunehmen. Wie vor Kurzem bekannt wurde, sammelt Facebook unsere Daten nicht nur wenn wir auf den “Like” Button klicken oder eingeloggt sind, es werden auch jede Menge Cookies an Facebook versandt, wenn wir ausgeloggt sind. Derzeit ist noch unklar, inwieweit Facebook diese Daten nun wirklich auswertet, ein gutes Licht auf das sowieso schon Privatsphäre-gebeutelte Unternehmen wirft es jedenfalls nicht.

16
Sep.11

Facebook: täglich grüßt das Feature-Tier

Iwona Wisniewska

Gleich mehrere neue Features gibt es auf einmal:

  • Aktivitäten von Freunden: Hier sieht man, wenn jemand mittels Facebook Places eingecheckt hat oder anderwertig mit der Seite interagiert hat.
  • Ebenfalls auf: Hier werden Location Based Services angeführt (im oberen Beispiel: Gowalla), mit denen man sich ebenfalls einchecken kann.
  • Recommendations: Freunde, als auch Fremde, die die Seite jüngst empfohlen (also auf ihrer Pinnwand geshared) haben, werden hier angezeigt.
  • Empfehlung schreiben:  Hier kann man das selbe tun, in dem man auf seiner Pinnwand eine Empfehlung für die Seite abgibt. Hat man das getan, so wird man gleich dazu aufgefordert es auch für andere zu tun, wie in diesem Beispiel:

15
Sep.11

Vanity URLs für alle und der neue Subscribe-Button

Iwona Wisniewska

Keine 25 Likes mehr notwendig

Eine mühsame Angelegenheit war es jedesmal schnell 25 Fans für eine Facebook-Seite zu generieren, um eine Vanity URL zu bekommen. Eigene Gruppen haben sich gebildet, die “25 Likes”, “Likers for Vanity” usw. hießen, um dort die Jagd nach den goldenen 25 Fans zu erleichtern. Doch all das ist jetzt nicht mehr notwendig: Facebook hat uns allen das Leben erleichtert und diese Hürde von uns genommen. Ab jetzt braucht man keine 25 Likes mehr, um die heiß umkämpfte Vanity URL zu bekommen.

Der Freund und der Subscriber

Nach dem Launch der verbesserten und automatisierten Freundeslisten führt Facebook jetzt den “Subscribe” Button ein, der direkt im Profil angezeigt wird:

via

Dieser Subscribe-Button ermöglich es genau zu bestimmen, was man von jemandem lesen möchte und was nicht. So kann man lästige Event-Einlader mit einem Klick loswerden und von anderen zum Beispiel nur die Fotos ansehen. Ebenso kann man, laut Facebook, damit genau bestimmen, was bestimmte Personen von einem selber lesen können. Es wird auch möglich sein public updates zu “abonnieren” von Leuten, mit denen man gar nicht befreundet ist. Umgekehrt kann man auch Nicht-Freunden erlauben gewissen Updates einzusehen.

Das Feature wird nächste Woche für alle nach und nach freigeschaltet werden.

Update – noch ein neues Feature: Shares

Gerade eben haben wir festgestellt, dass es jetzt auch einsehbar ist, wer einen Link geshared hat. Das sieht folgendermaßen aus:

Eine sehr nette Funktion, um zu sehen wie sich ein Link verbreitet hat.

Update 2 – der Like Button als Hindernis

Will man auf einer Seite seinen Senf auf die Pinnwand drücken, ging das bisher nur, wenn man die Seite vorher geliked hat. Das ist jetzt nicht mehr notwendig. Man kann eine Seite auch ohne sie vorher zu liken, kommentieren. Die Generierung von “Likes” wird dadurch bestimmt etwas schwieriger ;)

5
Sep.11

Ein Stream sie zu binden ODER Der Facebook Stream wird fünf!


Anfang des Jahres 2006 war die Welt noch in Ordnung. Wer ein Profil auf Facebook – oder jedem anderen Social Network – hatte, verbrachte die meiste Zeit damit, auf den Profilen seiner Bekannten herum zu stöbern. Ist der Beziehungsstatus noch der Gleiche? Gibt’s neue peinliche Partybilder? Und mit wem wurde über’s Wochenende Freundschaft geschlossen? Und wenn zuviele User zuwenig Interesse dran hatten, die Profile ihrer Freunde höchstpersönlich anzusurfen, gab es auch keinen Grund mehr, zu diesem Social Network zurückzukehren – und somit war das Network dem Traffic-Tode geweiht.
Doch Facebookgründer Mark Zuckerberg und seine Armee an Entwicklern hatten einen perfiden Plan um dieser (Un-)Tätigkeit ein Ende zu bereiten: anstatt User zu zwingen, jedes Profil einzeln anzuklicken, beschlossen sie den sogenannten News Feed zu erstellen: Alle Änderungen in den Profilen der Freunde und Freundinnen sollten auf einen Blick angezeigt werden.

Eine Geburt mit Hindernissen

Nach monatelanger Entwicklungsarbeit ging der News Feed am 5. September 2006 online, die Meldung im Facebook-Blog dazu hatte die etwas lakonische Überschrift: “Facebook gets a Facelift”. Die Aufregung im Facebookteam war groß, die Aufregung der User ebenso. Kommentare wie: “IS THERE A WAY TO TURN THIS SHIT OFF!?” waren symptomatisch für die ersten Reaktionen der User. Entgegen der Erwartungen des Teams fanden die User das neue Feature nicht hilfreich, sondern sahen darin eine direkte Bedrohung ihrer Privatsphäre, ungeachtet der Tatsache, dass die im News Feed enthaltenen Informationen nur eine Zusammenfassung ihrer ohnehin öffentlichen Tätigkeiten auf Facebook waren.

Die Nachgeburt: Privacy Settings

Laut Facebook waren neun von zehn Reaktionen auf den News Feed negativ und läuteten damit die erste große Krise des Netzwerks ein. Die herablassende Reaktion Mark Zuckerbergs in Form eines weiteren Blogposts tat nichts, um die mittlerweile 100,000en verärgerten Facebookuser zu besänftigen. Also reagierte Facebook indem sie die Privatsphäreeinstellungen änderten und Usern mehr Macht darüber gaben, welche ihrer Informationen nun im News Feed veröffentlicht wurden. Damit waren die meisten User besänftigt, und nach kurzer Zeit war klar, dass Facebook mit dem News Feed eine neue Art der Informationsverbreitung geschaffen hatte. Eine Kreation, die aufgrund der damit verbundenen rasanten Erhöhung der Aktivität unter anderem am Niedergang des damals noch dominierenden Netzwerkes MySpace beteiligt war.

Die Idee des News Feeds erobert die (Internet)Welt

Mittlerweile ist der News Feed nicht mehr wegzudenken. Und nicht nur auf Facebook: jedes Social Network und etliche andere Webservices bieten einen News Feed an, ein Feature das so beliebt ist, dass es schon als integraler Bestandteil vorausgesetzt wird.

Als mit dem im Jahr 2006 gestarteten Twitter das Posten von kurzen Nachrichten immer mehr an Popularität gewann, wurde diese Funktionialität schlichtweg für den eigenen Stream kopiert. Während ursprünglich Statusupdates nur über die eigene Wall gepostet wurden, baute Facebook im März 2009 einen Publisher über den News Feed ein, der ab diesem Zeitpunkt übrigens nur noch als “Stream” bezeichnet wurde. Damit war klar, was Facebook von seinen Usern wollte: noch mehr zu sharen! Kernstück des Services war nun dieser Stream, ein endloser Fluss an Informationen, Links, Statusupdates, Fotos, Videos und allem was User und Unternehmen mit anderen teilen wollten.

Ein Stream sie zu knechten…

Heute, fünf Jahre später, ist der Stream wichtiger denn je. Mit über 700 Millionen Usern und unzähligen Unternehmen, die um die Gunst eben dieser User buhlen, ist der Stream ein komplexes Stück Code, das über Erfolg und Misserfolg eines Facebookauftritts entscheiden kann. Der Edge-Rank Algorithmus, der bestimmt in welcher Häufigkeit und Prominenz Updates im Stream der User platziert werden, ist immer wieder Fokus wilder Spekulationen und für Unternehmen schon genau so wichtig wie der sagenumwobene Google-Algorithmus. Hieß es vor fünf Jahren noch, wer in den Suchergebnissen von Google nicht auf der ersten Seite aufscheint, existiert quasi nicht, übernimmt der Facebook Stream heute diese Rolle. Ein Umstand, der seine Berechtigung hat.

So verwenden laut einer Studie schon über 30% der unter-30jährigen Internetuser der USA Facebook als die primäre Navigation im Web, eine Funktion die vor einigen Jahren ebenfalls noch von Google dominiert wurde. Besonders mit der Einführung des webweiten Like-Buttons und der sogenannten Instant Personalization übernahm der Facebook Stream auch die Aufgabe, Inhalte aus dem ganzen Netz und nicht nur von Facebook-eigenen Seiten zu präsentieren. Wer beispielsweise auf der Film-Seite Rottentomatoes.com stöbert, wird dazu aufgerufen sich mit Facebook zu verbinden um einerseits zu sehen, welche Bekannten ebenfalls auf Rottentomatoes aktiv waren, und um andererseits selbst abgegebene Wertungen der Filme direkt in den eigenen Stream zu posten.

…auf ewig zu binden?

Wie aber schon bei Google, ist diese Aufmerksamkeitsmonopolisierung nicht ganz unumstritten. Die gerade wieder von heise.de aufgeworfene Frage des Datenschutzes mal außer Acht gelassen, geht es hier auch um sehr konkrete wirtschaftliche Interessen, die derzeit auf Facebook gebündelt sind. Doch die Konkurrenz schläft nicht. So bastelt Google weiterhin fleißig an seinem eigenen Netzwerk Google+, das übrigens ebenfalls einen an Facebook – um es vorsichtig zu formulieren – angelehnten Stream als Kernstück vorweist. Und Twitter, auch schon mehrere hundert Millionen User schwer, hat noch kaum was von seinem Schwung verloren. Eine direkte und ernst zu nehmende Konkurrenz zum Facebook Stream gibt es aber noch nicht.

Selbst wenn Facebook jemals die Oberhoheit über der Internetuser Aufmerksamkeit abhanden kommen sollte, die Geburt und Durchsetzung der Idee, auch gegen den Willen der User, wird ihnen so schnell niemand nachmachen. Ein guter Grund dem Stream alles Gute zu wünschen!

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