PoP 2011: Wenn das Personalmanagement über Social Media tagt

Ganz neu ist die Idee ja nicht, Social Media in die Personalarbeit zu integrieren. Facebookseiten zum Recruiting und Employer Branding (Otto, Bertelsmann, BMW, Allianz,...) schießen wie die Schwammerln empor, einige Unternehmen führen bereits einen Karriereblog (Daimler), Bewerbern wird ein Blick hinter die Kulissen auch in Bewegtbildern auf YouTube gezeigt und gezwitschert wird vereinzelt auch schon. Aufklärungsbedarf bei Unternehmen, die sich bisher noch nicht in die unbekannten Weiten des Social Webs getraut haben ist groß, schielt der ein oder die andere doch neugierig auf die Social Media Präsenzen der KollegInnen. Warum brauchen wir das? Wie setzen wir es um? Und vor allem, bei Personalisten besonders gefragt, wie merke ich direkt eine Veränderung bei den Mitarbeitern?

Ob den TeilnehmerInnen da wohl gerade ein Licht aufgeht?

Das vom Business Circle alljährlich organisierte Jahresforum der Personalwirtschaft "Power of People - PoP 2011" stand demnach unter dem Generalthema "Social Media". Vom 14. bis 15. April trafen in Rust am Neusiedlersee Social Media "Nackerpatzerln" auf PersonalmanagerInnen, die Social Media in ihre Personalarbeit bereits erfolgreich integriert haben und ihr Wissen bereitwillig teilten. Workshops mit den Titeln "Infotainment durch Allianz HR in Social Media", "Social Communities im Recruiting" oder "News und Social Media. Gesetzliche Fallen aus Unternehmersicht" zeigen wie die Umsetzung in der Praxis aussieht. Aber nicht nur von Best Practice lernt man, sondern vor allem von den Fehlern der anderen. Adolf Michael Picard vom Versandhausriesen Otto zeigte eine daneben gegangene Headhunting Kampagne. Einen Bewerber vom Flugzeug zu stoßen, ihn dann aufgrund von Kommunikationsproblemen abstürzen und von einem Dinosaurier fressen zu lassen, kam nicht ganz so gut beim Publikum an. Wie fast immer sind gerade die Praxisbeispiele besonders interessant. Von der Allianz Elementar war Michael Bilina vor Ort und sprach nicht nur offen und ehrlich über die alltägliche Social Media Arbeit, sondern verriet auch, wie er Social Media bei BewerberInnen einsetzt: "Einen Backgroundcheck machen wir nicht, wir wollen nicht schnüffeln. Außerdem, was erwartet man sich dadurch für relevante Zusatzinfos?". Bei BMW kann man mit bereits über 19.000 Facebook-"Fans" auf eine sehr aktive Community stolz sein. Christine Regler von der BMW Group zeigte Beispiele dass Recruiting über Facebook funktioniert und Bewerberanfragen tatsächlich stattfinden. Und Michael Krammer von Orange berichtet über den Wechsel von One zu Orange mit Hilfe von MitarbeiterInnen, die Brand Ambassadors wurden. In Verbindung mit Social Media, hätte man die eigens geschulten Brand Ambassadors auch im Social Web agieren lassen können - denn die Umsetzung des Mitarbeiters zum Markenbotschafters ist eine Hauptaufgabe des Employer Brandings. Ein Experiment für alle war das Mini-Barcamp mit 18 Sessions zu je 15 Minuten, die von den TeilnehmerInnen selbst gehalten wurden. Wer denkt dass das nicht funktionieren kann, der irrt. Nach einem wirklich kurzen Impulsstatement entstanden Diskussionen, drei Sessions wurden sogar ganz spontan direkt vor Ort organisiert. Jan A. Poczynek moderierte das HR-Camp und legt diese Form der Vernetzung auch Personalisten ans Herz, denn Vernetzung unter Gleichgesinnten, Impulse und Feedback  zu Projekten und Problemstellungen erhalten, sind auch im Personalmanagement gefragt. Digital Affairs war übrigens auch mit einer Session vertreten, die Autorin diskutierte über Wissensvorsprung dank Social Media und dessen Potential für den beruflichen Alltag mit den TeilnehmerInnen. Können private und berufliche Nutzung von Social Media im Arbeitsalltag getrennt, kontrolliert und untersagt werden? Wir sagen natürlich nein, und deshalb war die Autorin des Artikels Julia Basagic von Digital Affairs gemeinsam mit Rechtsantwalt Dr. Christian Wolf, Dr. Gerhard Laga und dem fachlichen Leiter der Veranstaltung und Moderator der Diskussion Univ.-Prof. Dr. Christian Scholz, Teil der Abschlussdiskussion zum Thema "Social Media Policy". Dass man private und berufliche Nutzung von Betriebsmitteln eher definieren kann ist klar, aber wie sieht es aus mit dem Gebrauch von Social Media Kanälen, wie insbesondere Facebook? Hier scheiden sich die Geister und auch die Meinungen der Diskutanten. Rechtsanwalt Dr. Wolf will dies klar getrennt wissen, die Autorin vertritt die Meinung, dass die Grenzen verschwimmen und gerade deshalb eine Social Media Policy benötigt wird. Könne man die Grenze ziehen, wäre sie auch nicht notwendig. Dabei geht es vor allem nicht um Regeln, sondern um eine Hilfestellung für verantwortungsvolle berufliche und private Kommunikation im Social Web. Das Bewusstsein für Social Media im Personalmanagement ist da, nun gilt es dieses auch umzusetzen, mit den Mitarbeitern gemeinsam und vor allem gut durchdacht mit einer schlüssigen Strategie. Aber Sie wissen ja wo Sie uns finden.      

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