Twitter breitet die Flügel aus
Als Twitter vor ungefähr 4 1/2 Jahren startete, war alles noch recht spartanisch. Ursprünglich ja als webbasierter SMS-Nachrichtendienst konzipiert, kristallisierte sich aber schnell heraus, dass die User Twitter mit Text allein nicht zufrieden waren. Über die bald veröffentlichte API entstanden in kürzester Zeit etliche Dienste die es den Usern erlaubten Links, Bilder und Videos in Kombination mit reinen Textnachrichten zu versenden. Seitdem hat sich nicht mehr viel getan, die Weboberfläche hielt sich weiterhin in der Minimalausstattung. Mit dem neuen Twitter wurde jedoch ein wichtiger Schritt in die Richtung einer offenen Plattform gemacht, die jetzt noch ein Bisschen mehr Social Media ist.
The new Twitter.com
Twitter hat sich einiges einfallen lassen. Es wurde sowohl am Design als auch an einigen Funktionen geschraubt. Die wichtigste Änderung betrifft die Twitter API, welche nun endlich auch selbst genutzt wird und somit Inhalte besser in twitter.com integriert. Das Flagschiff von Twitter, die eigene Weboberfläche, versorgte die User bis dato nur mit dem Allernötigsten. Die Twitter API erlaubte es den Nutzern zwar mittels externen Diensten wie YouTube, Flickr oder Twitpic ihre Tweets mit Bildern oder Videos anzureichern, doch sehr komfortabel machte das die Sache nicht unbedingt. Wollte man via Browser twittern und nutzte dafür twitter.com, wurden Bilder, Videos und Links immer auf einer neuen Seite angezeigt.
Trotz einiger sehr weit entwickelter Clients wie TweetDeck oder Twitterific ist twitter.com bei Weitem die meistgenutzte App. Hier liegt also viel Potential für noch mehr Entwicklungen. Denkbar wären Features für die Verwaltung von mehreren Accounts, erweiterte Biografie-Angaben oder mehr Möglichkeiten, um sein Profil zu gestalten.
In der Nacht vom 14. auf den 15. September 2010 wurde die neue twitter.com Weboberfläche in San Francisco vorgestellt. Was alles neu ist, kann man sich auf hier ansehen:
Das Social Web ist oft gar nicht Social
The new Twitter bringt einen wesentlichen Vorteil mit sich: Es wird zu einer offenen Plattform. Andere Dienste können ohne Umwege integriert werden, die Nutzerfreundlichkeit steigt und die Plattform kann sich über einen längeren Zeitraum etablieren.
Damit eine Social Media Anwendung erfolgreich sein kann, ist es wichtig, sich mit anderen Diensten verknüpfen zu können. Steht eine Plattform isoliert und einsam im Social Web herum, ist die Anwendbarkeit, und der Zusatznutzen für den User sehr gering. Gleichzeitig sinkt damit die Chance, dass der Dienst über einen längeren Zeitraum hinweg interessant bleibt. Eine in sich geschlossene Anwendung ist einfach nicht Social Web fähig. Hier müsste der Eigenwert schon sehr hoch sein, um dieses Defizit zu kompensieren. Der Eigenwert fast jeder Social Web Anwendung ist aber meistens einfach die Vernetzung und das Kommunizieren mit Anderen, auch über die Grenzen der Plattform hinaus.
Paradebeispiele für solch einsame Wölfe sind Xing, StudiVZ oder auch die Apple’s neue Musikplattform Ping. Sie sind mit keiner anderen Plattform kompatibel, sondern beschränken sich nur auf das eigene Netzwerk. Viele User sind bei mehreren Networks angemeldet und wollen diese auch miteinander verbinden. Hier kann es nicht sinnvoll sein, ein Netzwerk aufzubauen, welches von der restlichen Social Web Welt abgekapsel ist.
In diesem Punkt erklärt sich auch der große Erfolg von Facebook. User haben die Möglichkeit, alle Dienste, die sie verwenden in Facebook einzubinden und es zu ihrer “Hauptplattform” zu machen, quasi zu ihrer Social Media Kommandozentrale.
Mit der neuen Version der Website macht Twitter einen Schritt in genau diese Richtung.

