„K2 Massengipfelsturm“ oder auch „How to geocheat!“

Die Erklimmung - oder besser gesagt Nicht-Erklimmung - des K2s von Christian Stangl sorgte in den letzten Tagen für einiges an Aufsehen. In den klassischen Medien wurde ausgiebig von seinem Geständnis berichtet, das besagt, er habe sich den Gipfelsturm nur eingebildet, also "visualisiert". Die Geschichte um den "visualiserten Gipfelsturm" samt dazugehörigem, aussagekräftigen visualiserten Beweisfoto hatte alles, was eine gute Geschichte für das Social Web braucht: Viel künstliches Drama und noch viel mehr echte Absurdität. Und so wurde der "visualisierte Gipfelsturm" in der Online-Welt zu kürzester Zeit zum Mem , ein Phänomen das sich rasend schnell im Internet verbreitet hat. Ulf Weihbold hat festgehalten, wie sich das Mem entwickelt hat. Am 9.September in der Früh kamen die ersten Twittermeldungen, die sich mit dem Nicht-Aufstieg von Herrn Stangl beschäftigten. Kurze Zeit später waren die ersten netten Photo-Montagen online. Der Hashtag #K2 erlangte binnen weniger Stunden absolute Berühmtheit auf Twitter. Den Stein richtig ins Rollen brachte dann unsere fleißige Gipfelstürmerin Judith Denkmayr, die ihren Triumph fotografisch festhielt. Die Idee des kollektiven Massenbestiegs des K2s via Foursquare geboren. Also schnell die venue angelegt, eine Veranstaltung auf Facebook erstellt, alle eingeladen und ab geht's auf den Berg. Das Ziel sollte aber nicht nur die Erklimmung des Gipfelkreuzes sondern auch die gemeinschaftliche Abholung des Super Swarm Badges sein, welcher ab 250 gleichzeitig eingecheckten Skyrunnern winkte. Parallel dazu hatten die socialisten mit http://www.icanhazk2.com/ eine Seite angelegt, die den Aufstieg etwas erleichterte und gleich zum begehrten Checkin am Haupt des K2s führte. Mehr oder weniger schnell schwammen auch einige selbsternannte Foursquare Cops auf der K2-Welle mit, mit der Ermahnung, es handle sich hierbei doch um "Location Based Beschiss", kurz Geocheating. Und manch wackerem visualisierter Bergkamerad schlotterten sogleich die Knie, als wäre der Abstieg vom K2 real und nicht visualisiert gewesen. Aber wir können euch beruhigen - Geocheating ist keine Sünde. Geocheating ist ein Sport! Und hier das Trainingsprogramm: Lessons in Geocheating: Part 1 Es gibt im Grunde zwei Arten von Geocheating. Erstere besteht darin, sich an Orten einzuchecken, an denen man nicht wirklich ist, sondern nur in deren Nähe. Zweitere besteht darin, sich an Orten einzuchecken, in deren Nähe man nicht einmal ist und wahrscheinlich auch nie sein wird. So geschehen bei der Massenerstürmung des K2s. Die Zutaten für einen waschechten Geocheat sind recht schnell zusammengetragen. Zuerst wird die Venue angelegt und dann kann sich jeder via http://foursquare.com/mobile/ in dieser Venue einchecken, ganz gleich ob er sich wirklich an diesem Ort aufhält oder nicht. Check-ins von der Mobile Seite werden ebenso gewertet und verhelfen auch zu Badges. Eine zweite Möglichkeit gibts für die technisch versierten auch über die Foursquare API. Be aware of Foursquare Um es dem badgesüchtigen User nicht allzu leicht zu machen, hat Foursquare ein paar kleine Regeln eingebaut, die es im Rahmen einer gelungenen Geocheating Aktion zu umschiffen gilt. Handelt es sich, wie beim K2, um einen Ort, welcher mehrere tausend Kilometer von den meisten Teilnehmern entfernt liegt, bekommt man die Meldung, dass es nicht möglich sei, innerhalb so kurzer Zeit, von Wien nach Pakistan auf den K2 zu klettern. Ganz Unrecht haben sie damit ja nicht. Der Check-in funktioniert zwar, es gibt aber keine Points und keine Badges dafür. Hat man trotzdem ein Auge auf den K2 oder den Badge geworfen, muss man nur via Webapp die History und damit die Check-Ins an diesem Tag löschen und schon funktioniert der Gipfelaufstieg samt Belohnungsbadge. Aber das ist doch unfair? Man kann Foursquare auch etwas zu ernst nehmen. Es ist zwar ein Spiel, aber man kann es nicht gewinnen. Es ist jedenfalls kein Tool, um buchhalterisch die eigenen Bewegungen aufzuzeichnen, sondern um frei nach Schulz von Thun zu kommunizieren und zwar nicht nur über die eigene Geoposition. Was heißt das für die Unternehmenskommunikation? Wir sehen Foursquare und andere Geodienste trotzdem nicht als universale Kommunikationstools, sondern vielmehr als reine Marketingtools an. Derzeit ist allerdings die Userbasis von Foursquare als größten Dienst einfach zu gering, um eine breite Masse an Usern außerhalb der Geek- und Social Media Szene ansprechen zu können. Trotzdem kann man mit dem richtigen Thema, wie unser K2 Beispiel mit ungefähr 700 Teilnehmer zeigt, eine Menge User ansprechen und einen derzeit nicht unbeträchtlichen medialen Effekt erzielen. In diesem Sinne treffen wir uns sicher beim nächsten Twittagessen am Mount Everest.

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