Am Mittwoch, den 1. September, fand in San Francisco eine der legendären Apple Keynotes statt. Das sind jene Pressekonferenzen, bei denen Apple Oberguru Steve Jobs neue Produkte aus dem Hause vorstellt. Ebenso legendär wie die Keynotes selbst, sind die Mahlzeiten der Gerüchtküche, welche Wochen vorher schon eifrig zubereitet wurden. Verdichtet haben sich Spekulationen über einen neuen iPod Nano, über eine Neuerung bezüglich der Set-Top-Box von Apple TV und über eine längst fällige Generalsanierung von iTunes.

Bewahrheitet haben sich im Endeffekt: Alle drei!

Apple goes Social Media

Wir wollen uns allerdings trotz neuem ipod Nano und neuer Set-Top-Box vorrangig der Aktualisierung von iTunes und allen damit verbundenen neuen Features widmen.

Allen voran steigt Apple mit dem neuen iTunes 10 in den Social Media Markt ein, denn die Apple Jukebox iTunes bekam eine Plattform mit dem klingenden Namen “Ping” verpasst. Ping taucht automatisch mit der Installation von iTunes 10 auf und ist in wenigen Minuten aktiviert. Vom Grundaufbau her unterscheidet es sich nicht stark von anderen Social Media Netzwerken. Der User legt sich ein Profil an, welches mit so viel Information wie möglich oder so wenig wie nötig ausgestattet werden kann.

Das “Befreunden” funktioniert auf Ping ähnlich wie auf Twitter oder auch auf GetGlue oder der Soup. Ich kann einem Profil folgen, was aber nicht automatisch heißt, dass derjenige meinem Profil auch folgt. Die “Freundschaftsanträge” funktionieren also nur in eine Richtung. Möchte ich meinem Follower selbst auch folgen, muss ich das händisch eingeben. Es ist damit auch möglich, Sängern und Bands zu folgen. Diese könnten mit Ping einen guten Weg gefunden haben, sich selbst zu promoten, mit Fans in Kontakt zu treten und ihre Musik mit einem Klick in den Einkaufskorb wandern zu lassen.

Ping bietet drei Privatsphäreneinstellungen:

1) Jeder kann ohne Anfrage meinem Profil folgen.

2) Man kann eine Anfrage schicken, ob gefolgt werden darf.

3) Niemand kann dem Profil folgen.

Musikempfehlungsplattform


Nicht überaschend hat Ping seinen thematischen Schwerpunkt bei der Musik und steht damit als soziales Musiknetzwerk mit MySpace in Konkurrenz. Schon im Profil können bis zu drei Genres angegeben werden, die einem am ehesten entsprechen. Danach können Interpreten, Titel oder Alben mit einem Knopfdruck geliked, kommentiert und natürlich auch gleich gekauft werden. Jeder User kann seine Lieblingsband eintragen um die Vorlieben so mit allen Freunden zu teilen.

Das Ganze funktioniert dann wie ein Musikempfehlungsdienst. Ich sehe, welche Musik meine Freunde liken und kaufen und werde so auf neue Produkte, welche auch für mich interessant sein könnten, aufmerksam. Ähnlich wie bei Amazon’s “Kunden, die das gekauft haben, haben auch das gekauft”. Alle Aktivitäten wie gefolgte Profile, gelikte und gekaufte Produkte und Kommentare werden dann in einem Newsfeed angezeigt.

Vom Aufbau erinnert Ping am ehesten an GetGlue als an Facebook, da die Hauptsache darin besteht, seinem Profil durch Likes von Bands ein musikalisches Gesicht zu geben. Der Schwerpuntk bei Facebook liegt eher bei den Statusupdates, welche bei Ping nicht möglich sind. Die Statusupdates ergeben sich aus den Aktionen, die man macht. Selbst verfasste Nachrichten gibt es nicht.

Schwächen

Bisher konnte Ping noch keinen wirklichen Hype oder Begeisterungsstürme entfachen, da einige goldene Social Media Regeln einfach ignoriert wurden. Allen voran die Isoliertheit des Netzwerks. Ping kann bis dato noch mit keinem anderen Social Network verbunden werden. Der einzige Dienst, mit dem Ping reibungslos harmoniert, ist iTunes. Eine Zusammenarbeit mit Facebook war anfangs geplant, denn auf der Keynote war sogar zu lesen, dass Freunde über Facebook eingeladen werden können aber diese Funktion ist zur Zeit abgedreht. Außer über E-Mail Adressen können bisher keine Freunde eingeladen werden. Ob sich irgendjemand diese Arbeit antut, bleibt fraglich. Damit kann Ping die Versprechungen von Steve Jobs nicht erfüllen, der ankündigte “Facebook und Twitter treffen Apple”.

Zum Ärger der User können auf Ping keine brauchbaren Links gepostet werden, denn sie werden zwar angezeigt, sind aber weder anklickbar noch kopierbar.

Eine große Hürde für steigende Userzahlen wird sein, dass Ping ausschließlich innerhalb von iTunes funktioniert. Es gibt keine Browserversion der Plattform, was ein Herunterladen und Installieren der nicht unsperrigen iTunes Software erforderlich macht. Apple setzt also auf 160 Millionen iTunes User.

Die eigentlich wichtigste Funktion für User, nämlich brauchbare Musikempfehlungen, scheint derzeit noch etwas verwirrt zu sein. Ping reagiert nicht auf gesetzte Likes sondern empfiehlt einem Großteil der User gleich einmal Katy Perry oder Lady Gaga. Dies mag ein interessanter Tip sein, doch entspricht er nicht in allen Fällen den Userprioritäten. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass Apple großzügig auf einen wirksame Spamfilter verzichtet hat und damit bereits in den ersten Stunden von Spam überflutet wurde.

Abgesehen von diesen Mängeln fragen sich die meisten User, was an Ping so neu und unentbehrlich sein soll. Dienste wie zum Beispiel iLike, ein vorhandener Musikempfehlungsdienst der in Facebook eingebunden werden kann, existieren schon lange. Darüber hinaus war schon 2006 in Microsoft’s Player Zune ein soziales Netzwerk integriert. Auch das Teilen von Aktivitäten in iTunes über Facebook und Twitter ist schon länger möglich.

Fazit

Unbestritten ist, dass Apple durch Ping eine gute Möglichkeit gefunden hat, Nutzerdaten und Nutzervorlieben zu sammeln und zu verwenden. Dessen sollte man sich immer bewusst sein. So wie bei allen Plattformen, auf denen man Daten von sich preisgibt. Wer aber kein weiteres Problem damit hat, dass Jobs und Konsorten darüber Bescheid wissen, welche Musik man gerne hört, für den kann Ping durchaus interessant sein. Es ist einfach aufgebaut, glänzt durch Benutzfreundlichkeit und man bekommt schnell Vorschläge für neue Musik, die zu einem passen könnte.

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