Glaubt Twitter an den Matthäuseffekt?
Der Matthäuseffekt beschreibt einen Vorgang, der die Reichen immer mehr besitzen lässt und die Armen immer weiter verlieren lässt. In anderen Bereichen wird dieser Effekt auch als “richer-get-richer-Prinzip” beschrieben, und beschreibt die immer weiter auseinandergehende Kluft zwischen Arm und Reich. Nun ist dieser Effekt weit geläufig und im Volksmund stark verbreitet. Was die anhaltende ökonomische Entwicklung der Wirtschaft bestätigt, den Trend zu wenigen, immer größeren Global Playern, galt für das Internet bisher nur bedingt.
Lange Zeit wurden die Ausgangsbedingungen für die Teilnehmer im Social Web ausgeglichen gesehen. Man musste nur die “richtige” Botschaft zur “richtigen” Zeit verkünden, und plötzlich erreichten auch winzige Teilnehmer ein zuvor nie für möglich gehaltenes Publikum. Die Chancengleichheit ist da, die Vorteile und Ressourcen einer Redaktion bleiben natürlich weiterhin bestehen.
Thomas Pfeiffer von den Webevangelisten versuchte den Matthäus-Effekt mit folgender Forschungsfrage in Twitter nachzuweisen.
Haben Twitterati mit mehr Followern ein stärkeres Followerwachstum als “kleine” Accounts?
Für die Untersuchung wurden ausschließlich “aktiv-deutschsprachige Follower” ausgewählt, d.h. Follower, die in den vergangenen vier Wochen selbst und aktiv auf deutsch getwittert haben. Der absolute Followerzuwachs wird in Prozent gemessen und zeigt so besser vergleichbare Zuwächse und Veränderungen, als das absolute Zahlen machen würden. Als Grundgesamtheit verwendete Thomas Pfeiffer die Follower von 1.267 deutschsprachigen Twitteraccounts mit zumindest 500 aktiven Followern. Die Messung fand an zwei Zeitpunkten im Mai und Oktober 2009 statt.
Das Ergebnis der Untersuchung: Die Annahme, dass bereits große Twitter Accounts einen stärkeren Zuwachs an Followern als vergleichsweise kleine Twitter Accounts erhalten, konnte nicht bestätigt werden. Der erwartete Schereneffekt scheint auf das Social Web also nicht oder nur bedingt zuzutreffen. Für verhältnismäßig kleine Twitter Accounts sehr erfreuliche Nachrichten.


7 Reaktionen auf “Glaubt Twitter an den Matthäuseffekt?”
Wundert mich jetzt aber doch. Angesichts der höheren Reichweite müsste man über RT oder Erwähnungen auch schneller neue Menschen erreichen. Wobei: Die ersten 100 bekommt man vielleicht schneller als von 1000 auf 1100 zu kommen, weil da persönliche Kontakte noch eine größere Rolle spielen.
Das Follower-Wachstum ist auch bei mir nicht progressiv sondern konstant. Die Anzahl der Follower hat keinen Einfluß auf das Wachstum.
Ich finde die Erhebnung sehr interessant und hätte mir auch ein anderes Ergebnis erwartet, weil ich zumindest annahm, dass die Platzierungen in den diversen Charts schon Follower bringen. Ich werde mal bei Zeiten eine eigene Erhebung dazu anstellen.
Sehr interessant. Für mich liegt das daran, dass Twitter eben doch ein Beziehungsmedium ist – und ich kann sowieso nur eine überschaubare Anzahl an Beziehungen haben. Ich finde das ein sehr erfreuliches Ergebnis.
Ich tät das Ergebnis bei diesem Sample nicht allzu ernst nehmen… gerade die wirklich “großen” Accounts haben nur bedingt mit “natürlichem Wachstum” zu tun. Je mehr Aktivitäten (ob white, gray oder blackhat), desto stärker der Zuwachs; da gibt’s ganz andere Einflussfaktoren, die sich aber nicht so ohne weiteres isolieren lassen.
stimmt sicher, aber mitunter auch ein Grund, warum ich “großen” Accounts nur recht ungern folge. Komm mir da einfach noch mehr wie eine Nummer vor.
Ich hab soeben auch auf der Studienseite kommentiert – meiner Meinung nach ist die Analyse absolut nicht aussagekräftig, solange man nicht die Heterogenität der Twitteraccounts mitberücksichtigt. Zum Einen betrifft das die eigene Twitteraktivität der Accounts – häufiges Twittern wird wohl mehr Follower generieren als seltenes, zum anderen auch der getwitterte Inhalt. Manche Accounts sind einfach interessanter als andere in Abhängigkeit von ihrem Inhalt (Politik, Webnews, Promis etc…), um eine ernsthafte Analyse zum Matthäus Effekt durchzuführen, müsste man diese Faktoren miteinbeziehen.